Wer schützt uns vor der KI-Regulierung?

KI ist überall! Und das zunehmend unkontrolliert. Aus Brüssel kommt nun der dritte Entwurf eines Praxisleitfadens, der KI-Risiken sichtbar machen soll.

Klingt gut, ist aber leider zu oft gut gemeint statt gut gemacht. Kritiker*innen warnen vor Symbolpolitik im Häkchenformat. Und vor einer Risikobewertung, bei der ausgerechnet Demokratie- und Grundrechtsfragen freiwillig sind. Ernsthaft?

Parallel kämpfen Künstler*innen per Petition darum, dass ihre Stimmen nicht ungefragt geklont und verwertet werden. Bitte gib dieser Petition des VDS (Verband Deutscher Sprecher:innen) deine Stimme!

Währenddessen baut OpenAI an der nächsten KI-Stufe, Sicherheitstests geraten ins Hintertreffen, und ein Essay erklärt schonungslos, warum nicht die Technologie, sondern das Kapital dahinter das eigentliche Problem ist. Meta schickt uns hoffentlich in den nächsten Tagen einen Link, mit dem wir der Nutzung unserer Social-Media-Inhalte für deren KI widersprechen können.

Ach ja: Wer sich fragt, warum KI-Logos derzeit aussehen wie… nun ja, wie sie eben aussehen – hier gibt’s einen fachkundigen Blick auf diese “After”-Gestaltung. Genauso wie den Hinweis darauf, dass deine Website und deine Publikationen gerade zum Rohstofflager für die nächste KI-Generation werden.

Und dann ist da noch Nintendo und seine Haltung, die hoffentlich nicht nur ein Verkaufsargument ist.

Über allem schwebt die Frage: Was ist uns der Mensch im Zeitalter der Maschine noch wert? Zeige deine Haltung nach außen – mit dem Siegel für Menschliche Intelligenz.


POLITIK

Petition: Schützt die Kunst vor KI – #DeineStimmeFürEchteStimmen

Immer häufiger werden Stimmen von Künstler*innen durch KI imitiert – in Songs, Filmen,  Videos oder Social-Media-Content. Ohne deren Wissen, ohne Zustimmung, ohne finanzielle Beteiligung. Was für manche nach witziger technischer Spielerei klingt, bedeutet für viele Kreative den Verlust von Kontrolle über ihre eigene Identität.

Die Petition des VDS Verband Deutscher Sprecher:innen fordert daher ein klares gesetzliches Verbot: Niemand darf eine Stimme für KI-Modelle nutzen, ohne die ausdrückliche Erlaubnis der betroffenen Person. Denn Stimme ist mehr als Klang. Sie ist Persönlichkeit, sie ist künstlerischer Ausdruck und natürlich Teil der menschlichen Identität.

Die Forderung ist klar:  Kunst braucht Schutz! Schutz vor technologischer Ausbeutung, vor Entwertung durch synthetische Kopien und vor einem Markt, der Stimmen nutzt, ohne die Rechte der Menschen dahinter zu respektieren.

Setze ein Zeichen für echte Stimmen. 👉 Hier unterzeichnen: Zur Petition


Risikotaxonomie à la carte – wer will, der kann

Der dritte Entwurf für den Praxisleitfaden zu Allzweck-KI sorgt für ordentlich Wirbel: Ausgerechnet die Risiken, die Grundrechte, Meinungsfreiheit oder Diskriminierung betreffen, sollen für KI-Anbieter künftig nur noch optional geprüft werden. Ja, wirklich.

Was ursprünglich als Ergänzung zum AI Act gedacht war – ein freiwilliger Leitfaden, der Unternehmen Rechtssicherheit gibt – entwickelt sich zum Streitfall. Zivilgesellschaftliche Gruppen schlagen Alarm, weil sie befürchten, dass sich Anbieter künftig aussuchen dürfen, was sie überhaupt prüfen (lassen). Auch führende EU-Abgeordnete mischen sich ein und kritisieren: Das war nie die Idee der Gesetzgeber.

Aber auch die Industrie ist unzufrieden, nur aus ganz anderen Gründen: Für sie ist der Praxisleitfaden zu unklar, er bedeutet zu viel Aufwand und nimmt zu wenig Rücksicht auf Geschäftsgeheimnisse. Und über die Haftungsfrage beim Finetuning redet aktuell sowieso niemand gern.

Was bleibt? Ein Leitfaden, der (noch?) niemanden richtig zufriedenstellt. Und ein Verhandlungstisch, an dem gerade ziemlich die Nerven blank liegen.

Du willst mehr zu diesem Thema lesen? Im Tagesspiegel Background findest du nach einer kostenfreien Anmeldung mehr Infos. Das lohnt sich, es gibt dort immer wieder tolle Hintergrundartikel: https://background.tagesspiegel.de/digitalisierung-und-ki/briefing/ki-praxisleitfaden-kritik-an-allzweck-risikotaxonomie

Zum englischen Original des dritten Entwurfs gehts hier lang: https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/library/third-draft-general-purpose-ai-code-practice-published-written-independent-experts

Wenn du klar zeigen willst, wie wichtig der Mensch für dich und deine Arbeitsergebnisse ist, zeige deine Haltung nach außen – mit dem MI-Siegel.


EVENT

23. April | 9–12 Uhr: SCHULUNG – KI & QUALITÄT

Wie können wir KI im Marketing klug einsetzen, ohne dass Qualität, Effizienz oder Nachhaltigkeit auf der Strecke bleiben?

Damit das Zusammenspiel zwischen Mensch und Maschine funktioniert, braucht es etwa:

  • klare Prozesse, die alle Schritte der Content-Erstellung begleiten und Verantwortlichkeiten definieren
  • Spielregeln für die Zusammenarbeit, inklusive der Frage: Wo ist menschliches Urteilsvermögen unverzichtbar?
  • ein Team, das die psychologischen Effekte im Umgang mit KI kennt und weiß, wo Chancen, aber auch Risiken lauern
  • gründliche Ergebnis-Kontrolle: von Botschaften über Tonalität bis zur Faktenprüfung

Deshalb gibt’s unsere Schulung KI & QUALITÄT IM MARKETING – Pflichtprogramm für alle Marketing-Teams, die KI sinnvoll nutzen wollen.

Jetzt anmelden!


NEWS

Meta macht jetzt KI für Europa – ja, ist klar. zwinkersmiley

Meta kündigt vollmundig an, seine KI-Angebote gezielter auf den europäischen Markt zuzuschneiden. Mehr Datenschutz, mehr Transparenz, mehr europäische Relevanz. Doch statt konkreter Neuerungen gibt’s PR-Gedöns und das Versprechen, dass europäische Nutzer*innen „bessere Erfahrungen“ mit Meta AI machen sollen. Der Konzern will gleichzeitig Feedback einsammeln – über Plattformen, deren Geschäftsmodell auf Datennutzung basiert. Gut zu wissen: Wir dürfen widersprechen. Wo genau ist noch nicht bekannt. Und private Messages sollen nicht genutzt werden fürs Maschinenlernen.

https://about.fb.com/news/2025/04/making-ai-work-harder-for-europeans/

Innovation first, Sicherheit später?

OpenAI drückt aufs Tempo. Neue KI-Modelle sollen schneller raus, ambitionierter, mächtiger. Doch laut interner Quellen bleibt dabei etwas auf der Strecke: die Sicherheitschecks.

Ausgerechnet das Unternehmen, das einst für „sichere KI für alle“ antrat, scheint nun den eigenen Anspruch unter dem Gewicht der Innovationslust zu begraben. Mehr Macht, weniger Prüfung – was kann da schon schiefgehen? Wo doch derzeit weltweit keine verpflichtenden Regeln für KI-Sicherheitstests existieren …

https://the-decoder.de/openai-beschleunigt-ki-entwicklung-sicherheitstests-geraten-unter-druck/

Wer braucht schon Menschen, wenn es Margen gibt?

Autor Brian Merchant warnt in diesem langen Artikel voller weiterführender Links: Nicht die Technologie ist das Problem, sondern wie Unternehmen generative KI nutzen, um kreative Arbeit zu entwerten, Löhne zu drücken und Kontrolle auszuweiten. Ob Journalismus, Drehbuchschreiben oder Design – dort, wo Menschen bisher für Qualität bezahlt wurden, soll KI jetzt genügen. Die eigentliche Gefahr liegt also nicht in der Maschine, sondern in den Händen derer, die sie bedienen.

https://www.bloodinthemachine.com/p/understanding-the-real-threat-generative

Nintendo bleibt vorerst menschlich – trotz KI

Doug Bowser, Präsident von Nintendo of America, betont in einem Interview: KI kann bei der Spieleentwicklung unterstützen, aber nicht ersetzen. Menschliche Kreativität und Emotion sollen weiterhin im Zentrum stehen. Im Gegensatz zu vielen anderen Branchengrößen verfolgt Nintendo damit einen klar zurückhaltenden Kurs beim Einsatz generativer KI – aus Respekt vor der künstlerischen Handschrift echter Entwickler:innen. Wir fragen uns: Reicht Haltung gegen den KI-Hype? Oder ist sie am Ende nur ein Verkaufsargument?

https://www.play3.de/2025/04/13/nintendo-menschliche-kreativitaet-sollte-im-fokus-stehen-doug-bowser-ueber-den-einsatz-von-ki

Warum sehen KI-Logos aus wie … naja, After?

Das Design-Kollektiv Velvet Shark hat sich KI-generierte Logos für Tech-Startups angesehen und kommt zu einem erstaunlich wiederkehrenden Muster: Viele sehen aus wie stylisierte After. Kein Witz. Der Artikel ist mehr als ein Lacher: Er zeigt, wie austauschbar, steril und visuell leer viele KI-Marken auftreten. Alles wirkt generisch, glatt, techy. Aber eben auch seelenlos und unfreiwillig komisch. Obendrauf gibts aber noch viele Designtipps, die wirklich super sind!

https://velvetshark.com/ai-company-logos-that-look-like-buttholes

Wenn deine Website für die KI schuften muss

Jeremy Keith kritisiert, wie KI-Firmen das offene Web systematisch durchkämmen, um ihre Modelle zu füttern – natürlich ohne Zustimmung, selbstverständlich ohne Entlohnung der Content-Creators und ohne Rücksicht, logisch. Er beschreibt damit eine neue Ära der Crawler: nicht mehr für Suchmaschinen, sondern für Trainingsdaten. Das offene Web, einst Ort des Teilens, wird immer mehr zur kostenlosen Rohstoffquelle für Tech-Konzerne. Ach ja, und die Kosten für den Traffic, den diese Crawler erzeugen, übernimmst natürlich du selbst …

https://adactio.com/journal/21831

Wenn du schon jetzt KI verantwortungsvoll nutzt (oder dich noch nicht von KI unterstützen lässt), zeige es doch nach außen mit dem Siegel für Menschliche Intelligenz.