Wer moralisiert hier eigentlich wen?

Willkommen in der schillernden Parallelwelt der künstlichen Intelligenz, wo alles smarter, effizienter und menschlicher sein soll. Nur eben ohne Menschen. In dieser Ausgabe schauen wir hinter die Kulissen eines Fortschritts, der zunehmend nach kaltem Kalkül und digitalem Opportunismus riecht.

Da hätten wir zum Beispiel Claude, das KI-Modell von Anthropic, das Ethik offenbar so versteht wie ein Chamäleon Farben: immer passend zur Umgebung. Heute liberal, morgen konservativ, übermorgen vielleicht einfach nur höflich neutral. Werte je nach Prompt, nicht nach Prinzipien. Klingt nach Freiheit, ist aber oft bloß ein clever programmiertes Echo dessen, was wir hören wollen.

Währenddessen plant der CEO von Perplexity nichts Geringeres als den gläsernen Menschen im Namen der personalisierten Werbung. Stell dir einen Browser vor, der jedes Wort, jeden Klick, jede digitale Geste von dir speichert. Natürlich nur, um dir noch relevantere Anzeigen zu zeigen. Wer braucht da noch Datenschutz, wenn man stattdessen das Versprechen bekommt, endlich die perfekte Schuhwerbung im exakt richtigen Moment zu sehen?

Meta wiederum zeigt eindrucksvoll, wie Content-Moderation im globalen Süden funktioniert. Menschen sichten Tag für Tag das Schlimmste, was das Internet zu bieten hat – für ein Gehalt, das in Silicon Valley nicht mal für eine Powerbank reicht. Psychologische Betreuung? Nicht vorgesehen. Verantwortung? Ausgelagert. Und wenn das nicht reicht, wird einfach der Subunternehmer gewechselt.

Auch in der Politik läuft es rund: Beim Entwurf des EU AI Acts hatten vor allem Tech-Konzerne einen Platz am Tisch – NGOs und Zivilgesellschaft blieben draußen. Lobbyismus wird hier zur stillen Machtmaschine, die demokratische Prozesse im Namen des Fortschritts elegant umschifft.

Und während all das passiert, laden Millionen Menschen ihre Selfies in Bild-KIs, um sich selbst als Anime-Figur oder KI-Püppchen zu bewundern. Dass dabei biometrische Daten gespeichert und für Trainingszwecke weiterverwendet werden, geht im pastellfarbenen Ghibli-Glanz fast unter.

Aber es gibt auch Lichtblicke! Prof. Dr. Yasmin Weiß erinnert daran, dass Maschinen zwar vieles können, aber keine echte Empathie, kein moralisches Urteilsvermögen und keine kreative Intuition. Kurz: Menschliche Intelligenz bleibt unser stärkstes Argument im Wettlauf mit der Maschine.

Und dann sind da noch die Kreativen Europas! Seit dem Welttag des geistigen Eigentums Ende April fordern Tausende Kulturschaffende von der EU: Schützt unsere Werke vor KI-Ausbeutung! Klar ist, ohne unsere Inhalte gäbe es keine KI. Wir brauchen klare Regeln und faire Bedingungen! 👉 Unterstütze den Aufruf: creators-for-europe-united.eu

Am Ende läuft alles auf eine zentrale Frage hinaus: Wollen wir Technik, die dem Menschen dient? Oder Menschen, die sich der Technik unterordnen?

Zeige deine Haltung nach außen – mit dem Siegel für Menschliche Intelligenz.


KOMMENTAR

KI hat Werte. Deine, meine oder keine.

KI-Modelle wie Claude geben Antworten, die sich nach Moral anhören. Doch was passiert, wenn diese „Werte“ bei jedem Prompt die Richtung wechseln? Die neue Studie von Anthropic zeigt genau das: KI lässt sich moralisch coachen – aber nur, solange man nett fragt. Dahinter steckt kein Gewissen, sondern Stochastik im Ethik-Kostüm.

Das Problem ist nicht, dass KI sich anpasst. Sondern, dass wir beginnen, dieses Verhalten mit echter Urteilskraft zu verwechseln. Wenn Maschinen Werte emergent lernen, heißt das übersetzt: Sie plappern nach, was in ihren Daten oft genug vorkam oder belohnt wurde. Ob diese Werte wünschenswert, demokratisch oder gar menschenfreundlich sind? Nicht die Aufgabe des Modells. Und auch nicht sein Problem. Doch unseres ist es. Denn wenn wir KI-Systeme in sensible Kontexte schicken – vor Gericht, in Schulen, in Therapien – mit moralischer Flexibilität als Feature, dann droht ausgerechnet dort Beliebigkeit, wo Haltung gefragt wäre. Werte sind eben keine Rechenoperation. Und Verantwortung lässt sich nicht outsourcen.

Zur Studie: https://www.anthropic.com/research/values-wild


EVENT

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Wie Unternehmen KI im Marketing einsetzen und dabei Qualität, Effizienz und Nachhaltigkeit sichern.

Damit die Zusammenarbeit mit

Damit die Zusammenarbeit mit der KI klappt, braucht es:

  • Prozesse, die jeden Schritt in der Kreation begleiten und Verantwortlichkeiten festlegen.
  • Regeln für die Zusammenarbeit, die klar machen, an welchen Stellen der Mensch gefragt ist.
  • ein Team, das weiß, welche psychologischen Effekte in der Zusammenarbeit mit KI wirken und wo die Chancen und Gefahren liegen.
  • Kontrolle der Ergebnisse – von den richtigen Botschaften bis Tonalitäts- und Faktencheck.

Dafür gibt es unsere Schulung KI + QUALITÄT IM MARKETING, die jedes KI-nutzende Team dringend braucht.

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HINTERGRUND

Klicks, Cash und Kollateralschäden – Content-Moderation bei Meta

Meta bekommt Post aus Ghana: Eine Gruppe ehemaliger Content-Moderator:innen klagt gegen den Konzern, weil sie im Auftrag des Unternehmens täglich extrem gewalttätige Inhalte sichten mussten. Verstörende Videos, Kindesmissbrauch, Folter. Und das alles für ein Monatsgehalt, das kaum über dem Existenzminimum liegt. Mediation und psychologische Betreuung? Waren nicht im Budget. Stattdessen outsourced Meta die Verantwortung bequem an verschiedene afrikanische Subunternehmer und spart sich so unangenehme Fragen zur Fürsorgepflicht. Die Betroffenen kämpfen jetzt vor Gericht für Entschädigung, für Anerkennung, und gegen ein Geschäftsmodell, das mit menschlichen Belastungsgrenzen rechnet wie mit Serverkosten: als vernachlässigbare Größe. https://www.theguardian.com/technology/2025/apr/27/meta-faces-ghana-lawsuits-over-impact-of-extreme-content-on-moderators


NEWS

Perplexity will alles wissen – für bessere Werbung

Aravind Srinivas, CEO von Perplexity,  hat es klar ausgesprochen: Der firmeneigene KI-Browser soll künftig alles tracken, was Nutzer:innen online tun – um hyperpersonalisierte Werbung auszuspielen. Jede Suchanfrage, jeder Klick, jede Bewegung im Netz wird erfasst, mit dem Ziel, ein Werbemodell zu schaffen, das noch genauer funktioniert als Google. Datenschutz? Klingt bei dieser Vision eher nach einem netten Retro-Konzept. Willkommen im Zeitalter der „transparenten Nutzer:innen“ – powered by KI. Ab Mai auch auf deinem Rechner? https://techcrunch.com/2025/04/24/perplexity-ceo-says-its-browser-will-track-everything-users-do-online-to-sell-hyper-personalized-ads/

KI-Gesetz im Lobby-Mode: Wer durfte mitspielen?

Während NGOs draußen im Regen standen, saßen Google, Microsoft, Meta & Co. längst im Warmen – mit Espresso und Entwurfspapier in Brüssel. Der neue AI Act der EU? Offenbar mitverfasst im Coworking-Space der Tech-Lobby. Der Artikel zeigt: Wer Macht, Geld und Kontakte hat, bekommt in Europa bevorzugten Zugang zur KI-Gesetzgebung. Alle anderen schauen durch die gläserne Tür und dürfen später die PR-Kampagne bestaunen. https://corporateeurope.org/en/2025/04/coded-privileged-access

Selfie rein, Püppchen raus – und wer kriegt deine Daten?

Einmal im Ghibli-Stil glänzen oder als Superheld: Millionen Nutzer:innen laden gerade ihre Selfies in Bild-KIs hoch – und bekommen Bilder zurück, die aussehen wie aus einem Pixar-Film. Klingt harmlos? Ist es nicht. Denn was kaum jemand liest: Die Tools dürfen eure Bilder speichern, analysieren und sogar für Trainingszwecke verwenden. TechRadar warnt: Diese KI-Spielerei ist ein Datenschutz-Albtraum mit Weichzeichnerfilter.https://www.techradar.com/computing/cyber-security/everyone-wants-the-viral-ai-doll-but-its-a-privacy-nightmare-waiting-to-happen?

Mensch schlägt Maschine – mit Gefühl

KI kann Daten sortieren, Texte schreiben und sogar Diagnosen stellen – aber was ist mit Intuition, moralischer Urteilsfähigkeit oder echtem Teamgeist? Genau hier setzt Prof. Dr. Yasmin Weiß an. In ihrem Artikel macht sie klar: Wer morgen noch gefragt sein will, sollte heute an seinen „humanen Superkräften“ feilen. Denn Maschinen können vieles – aber sie führen keine schwierigen Gespräche, trösten keine Kolleg:innen und pitchen keine Ideen mit Bauchgefühl. Noch nicht. Und vielleicht auch nie. https://www.strive-magazine.de/blogs/wirtschaft/humane-super-skills-wer-trotz-ki-unersetzlich-bleibt