Die Maschine darf mitarbeiten. Das letzte Wort hat der Mensch.
Klingt eigentlich nach einer ziemlich überschaubaren Arbeitsteilung, oder? Die KI sortiert, sucht, formuliert und macht auch sonst allerlei digitale Verrenkungen. Wir Menschen schauen hin, entscheiden und übernehmen natürlich die Verantwortung. Soweit das Konzept. In der Praxis scheint allerdings gerade eine wilde Partie Verantwortungs-Mikado zu laufen: Bloß nicht bewegen, sonst ist man am Ende noch zuständig, oh weh!
Die großen KI-Unternehmen warnen inzwischen selbst vor dem Tempo ihrer Entwicklung und liebäugeln mit einer vorsichtigeren Gangart. Kaum geschieht das, kommt eine Kartellklage um die Ecke. So ist das wohl im KI-Zeitalter, wo sogar das Bremsen erst mal vor Gericht diskutiert werden muss.
Gleichzeitig durchforsten KI-Systeme das Netz nach Belegen und stoßen dort zunehmend auf Inhalte, die möglicherweise bereits von anderen Maschinen produziert wurden. Maschine zitiert Maschine, und wir bekommen obendrauf einen ordentlich formatierten Quellenkasten. Sieht seriös aus, inhaltlich erinnert es an Stille Post: Irgendwann weiß keiner mehr, wie der Originalsatz lautete.
Agentenalarm auch im trauten Heim: Googles Familienagent CC soll Termine, Schulmails, Formulare und Einkaufslisten zusammenbringen. Wer braucht schon ’nen Retro-Zettel am Kühlschrank, wenn ein Konzern einen eigenen digitalen Mitbewohner beisteuern kann?
Besonders bitter wird es in dieser Ausgabe mit den sexualisierten Deepfakes. Bei US-Servern half im Fall der EU-Abgeordneten Lena Schilling der Hinweis aufs Copyright offenbar zuverlässiger bei der Löschung als der Hinweis darauf, dass hier der Körper einer realen Frau digital missbraucht wird. Das Netz scheint also ziemlich genau zu wissen, wem ein Foto gehört. Beim Menschen auf dem Foto wird die Rechtslage wohl komplizierter.
Und falls dir bei alldem der Kopf schwirrt, haben wir Bullshit-Bodo am Start. Der findet diese typischen KI-Sätze, die außen schön knusprig sind und innen hohl.
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IN EIGENER SACHE
Das MI-Manifest
Wir sind kein Anti-KI-Club. Wir sind konsequent pro menschliche Intelligenz. Bei uns haben KI-Power-User*innen genauso Platz wie Menschen, die auf 100 Prozent Handarbeit setzen – und alle dazwischen.
KI ist für uns ein Werkzeug. Ob und wofür wir sie einsetzen, entscheiden wir selbst. Die Verantwortung für das Ergebnis bleibt bei uns Menschen.
Darum mischen wir uns ein: für faire Spielregeln, den Wert menschlicher Arbeit und einen verantwortungsvollen Umgang mit KI. Wir wollen mitreden, bevor aus technischen Möglichkeiten gesellschaftliche Tatsachen werden.
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Wer legt die Monster an die Kette?
Rise and shine oder doom and gloom: Zwischen diesen beiden Extremen geht es seit der galoppierenden Entwicklung von LLMs hin und her – wir haben uns längst an diesen leichten Dauerschwindel gewöhnt beim Gedanken an KI oder ihre Nutzung. Zugegeben, in letzter Zeit hatte die Weltuntergangsstimmung Vorrang. Nicht zuletzt dazu beigetragen haben ein paar ungute Vorfälle mit agentischer KI, von denen der OpenAI-Ausbruch und Hack bei Hugging Face nur einer war. Auch bei Anthropic und Gemini waren Agenten nicht immer gerade brav in den letzten Monaten. och die Sicherheitsvorfälle sickerten erst nach und nach durch, und höchst selektiv. Und die üblen News reißen einfach nicht ab. Erst some agents. Dann dozens. Dann plötzlich tens of thousands. Aber warte, most of them angeblich harmlos. Most of them – schön. Was bitte ist mit dem Rest?!
Drama rocks!
Vertrauenswürdigkeit sieht anders aus. Haben die ihren Laden nicht im Griff? Hey, bevor uns das jemand fragt, hauen wir lieber schnell eine richtig steile These raus, zum Beispiel die hier: „Wir glauben wirklich ernsthaft, dass KI alle Menschen töten könnte! Ich persönlich glaube, die Wahrscheinlichkeit liegt im nächsten Jahrzehnt bei über zehn Prozent.“ So Evan Hubinger, Sicherheitsexperte des KI-Konzerns Anthropic, auf X vor ein paar Wochen.
„Ich glaube“ plus „ernsthaft“ plus eine Prozentzahl – das klingt weniger nach „wir erkennen das Risiko, und das dämmen wir jetzt ein“ als nach einem Rezept zum Start einer erfolgreichen Verschwörungserzählung. Weltuntergang zieht immer, das beweisen Zillionen Romane, Filme, Hörspiele. Zack, entstehen die Bilder in unserem Kopf: eine Armee von Bots, die mit stahlblauem Glut-Laserblick gnadenlos die Stadt durchkämmen auf der Suche nach dem letzten Menschlein, das ihnen gefährlich werden könnte. Gotcha!
Verantwortung? Welche Verantwortung?
Hilfe, es geht alles zu schnell, die Dinger machen, was sie wollen, wie bremsen wir den Hochgeschwindigkeitszug? Fragt Big Tech. Bremsen? Aber die Chinesen! Mahnt Crazy Orange-Head. Du hast recht, seufzt Big Tech. Und legt noch eine Schippe Geld drauf …
Ja, es gibt Probleme, vor allem mit agentischer KI. Wie wäre es aber, sich denen ganz gezielt zu widmen, anstatt die Menschheit mit dem klammen Gefühl allein zu lassen, dass ja niemand nichts unternehmen kann? Und wir alle verloren sind? Aber vermutlich will Big Tech genau das erreichen, denn dann müssen auch sie keine Verantwortung übernehmen. It’s those goddam agents, stupid! Nee, wie praktisch.
Fakt ist: Wir müssen nicht wie die Kaninchen vor der Schlange des Weltuntergangs erstarren, wie nah oder fern der auch sei. KI macht ja jetzt schon hochgefährlichen Quatsch! Der auch tragisch enden kann: Die Ursache des KI-gestützten Luftangriffs im Februar 2026 auf eine Mädchenschule im Iran waren höchstwahrscheinlich veraltete Daten. KI-Halluzinationen zu einem chinesischen Schiff, angeblich mit Atomwaffenkomponenten an Bord, hätten leicht zum Auslöser für ernste Konflikte zwischen den USA und China mit noch ernsteren Folgen für die gesamte Welt werden können. Passiert ist das schon letzten März, bekanntgeworden erst kürzlich.
Und hinter alldem stecken Menschen. Menschen, die nicht sehen wollen, auf welches Pulverfass wild gewordene KI-Agenten die Welt schubsen, als hätte die nicht schon genug andere Probleme. Menschen, die schlampen, bequem sind, zu vertrauensselig, zu geldgierig, ruhmverliebt, böswillig. DAS ist das Problem mit KI: Menschen, die keine Verantwortung für ihre Produkte übernehmen wollen.
Die KI-Weltformel: Alle mal auf die Bremse treten
Gary Marcus schrieb auf seinem Substack jüngst einen offenen Brief an Donald Trump. Er solle doch Peking zu einer Zusammenarbeit bei der verlangsamten Weiterentwicklung und besseren Kontrolle von KI bewegen. Das könnte dort auf offene Ohren stoßen, so Marcus: „Tuesday’s front page of the People’s Daily, the official newspaper of the Chinese communist party (CCP), ran an article saying that the US and China should make Al a new frontier for China-US cooperation and make good use of the intergovernmental dialogue mechanism on AI.“ Er hängt DJT die Karotte „Nobelpreis“ vor die Nase.
Spaß beiseite – raus aus der Wahnsinnsspirale ohne Übereinkunft zwischen den USA und China? Das wird schwierig.
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„Ich fand die Schulung sehr aufschlussreich, insbesondere die Funktionsweise von KI und natürlich der Bereich Datenschutz. Auch die Art des Promptens war für mich interessant. Ich dachte immer, so schwer kann das ja nicht sein, aber es gibt nun halt doch die feinen Unterschiede, wie „KI versteht Sprache, aber keine Gedanken …“. Also alles in allem fand ich die Schulung sehr gut, sie hat mir auch ein wenig die Angst vor KI genommen und mir gezeigt, wie ich KI trotz allem (außerhalb tatsächlicher Übersetzungen) einsetzen kann.“
Andrea Wurth, geprüfte Übersetzerin AKAD https://www.linkedin.com/in/andrea-wurth-traductions/
Bullshit-Bodo findet die schöne Leere
KI kann Sätze bauen, die brutalstmöglich nach Haltung, Tiefe und natürlich auch nach Bedeutung klingen. Doch beim zweiten Lesen merken wir, dass da nur Luft ist. Alles wirkt klug und niemand kann widersprechen, weil niemand so genau weiß, was eigentlich behauptet wurde.
Bullshit-Bodo ist der Alarm für diese schöne Leere. Er sucht Stellen, an denen ein Text wichtig tut, aber nichts riskiert. Keine klare Aussage, kein Beispiel, kein Beleg, keine Entscheidung. Nur hübsch polierter Sprachnebel.
So holst du Bodo ins Textboot:
- Kopiere deinen Text in einen neuen Chat.
- Prompte: „Markiere alle Sätze, die gut klingen, aber keine klare Aussage treffen. Schreibe daneben, was konkret fehlt: etwa Beispiel, Beleg, Haltung oder Entscheidung. Gib das Ergebnis als Tabelle aus: Fundstelle, Problem, was fehlt, bessere Alternative.“
- Überarbeite alles, was beeindruckend klingt, aber inhaltlich auf Zehenspitzen schleicht.
Bullshit-Bodo ist besonders nützlich für Website-Texte, LinkedIn-Posts, Strategiepapierchen und überall dort, wo plötzlich alle „Potenziale heben“, „Zukunft gestalten“ oder „Menschen in den Mittelpunkt stellen“.
Merksatz: Bullshit erkennst du daran, dass niemand widerspricht, weil niemand weiß, was gemeint ist.
NEWS
KI langsamer machen? Klage ist raus.
Anthropic-Chef Dario Amodei warnt vor dem Tempo der KI-Entwicklung und schlägt vor, dass die großen Labore ihre Frontier-Modelle vorsichtiger weiterentwickeln. Sam Altman, Elon Musk und Google-DeepMind-Chef Demis Hassabis signalisierten öffentlich Zustimmung. Klingt für einen Moment fast so, als hätten ein paar Tech-Bros gemeinsam das Wort „Verantwortung“ entdeckt. Nun klagen vier zahlende Nutzende von ChatGPT, Claude, Grok und Gemini. Ihr Vorwurf: Die Unternehmen hätten sich illegal abgesprochen, den technischen Fortschritt zu bremsen und damit den Wettbewerb eingeschränkt. Die Klage soll zu einer Sammelklage ausgeweitet werden.Die Pointe ist trotzdem hübsch bitter: Jahrelang lautete die Forderung, Big Tech müsse bei KI endlich vorsichtiger werden. Kaum reden die Unternehmen übers Bremsen, könnte genau das zum Kartellproblem werden. Das muss dieses KI-Zeitalter sein, wo offenbar sogar Verantwortung erst einmal juristisch geprüft werden muss.
https://www.cbsnews.com/news/ai-slowdown-lawsuit-openai-anthropic-google
KI zitiert KI. Was kann da schon schiefgehen?
Du fragst ChatGPT & Co. etwas, die KI durchsucht das Netz und liefert dir Quellen. Beruhigend, oder? Forschende haben die Quellen von ChatGPT, Copilot, Gemini und Perplexity bei 712 Fragen zu Gesundheit sowie politischen und ökologischen Themen untersucht. Das Ergebnis hat es in sich: Rund 16 Prozent der auswertbaren Quellen wurden als KI-generiert erkannt. Die KI holt sich also ihre Belege teilweise bei anderer KI und serviert dir das Ergebnis anschließend hübsch mit Quellenangabe. Ein kleiner informationeller Kreisverkehr, in dem irgendwann schwer zu erkennen ist, wo eigentlich noch ein Mensch dahintersteckt. Die Studie ist ein Preprint und klar, KI-Detektoren sind selbst alles andere als unfehlbare Wahrheitsmaschinen. Die Richtung ist trotzdem interessant: Denn wenn Maschinen zunehmend Maschinen als Quelle nutzen, bekommt „Ich hab das recherchiert“ eine ganz neue Bedeutung.
https://arxiv.org/abs/2605.23684v1
Mama, Papa, Google
Googles KI-Agent CC soll künftig den Familienalltag organisieren: Termine, Schulmails, Einkaufslisten, Fahrzeiten, Formulare. Dafür verarbeitet er freigegebene Inhalte aus Gmail, Kalender, Chat, Fotos und Dokumenten. Also fast nichts. Außer deinem Familienleben. Besonders perfide: Über den Energieverbrauch dieses ständig auswertenden Familienhelfers verrät Google bislang nichts. Mails, Kalender, Dokumente und Fotos aus potenziell Millionen Haushalten durch KI-Systeme zu schicken, wird energetisch vermutlich nicht dadurch gratis, dass am Ende eine Einkaufsliste herauskommt. Doch für eine seriöse CO₂-Bilanz fehlen die Zahlen – Google liefert sie schlicht nicht. Aber Hauptsache, das System weiß genau, wann niemand zu Hause ist.
https://datensm.art/news/2026/09-22-googles-familien-ki-cc-komfort-mit-kontrollverlust
Persönlichkeitsrecht? Versuch’s besser mit Copyright.
Eine EU-weite Untersuchung hat sexualisierte KI-Deepfakes von 138 Politikerinnen gefunden – gegenüber neun Politikern. Frauen sind damit 33-mal häufiger betroffen. Auch die österreichische EU-Abgeordnete Lena Schilling wurde auf rund einem Dutzend Webseiten gefunden. Auf den Seiten werden Fotos echter Frauen verwendet, um mit KI Nacktbilder oder Pornos zu erzeugen; teils wird direkt auf entsprechende „Nudifier“-Tools verlinkt. Schilling ließ die Inhalte melden und anzeigen. Bis sie verschwanden, dauerte es etwa zehn Tage. Besonders ätzend ist das hier: Bei US-Servern funktionierte der Hinweis auf das Copyright am Foto offenbar zuverlässiger als der Hinweis auf die sexualisierte Darstellung der Person. Das Internet hat also einen erstaunlich klaren Begriff davon, wem ein Foto gehört. Beim Körper wird es komplizierter.

