KI hetzt, Kinder prompten, Denken schrumpft.
Auf TikTok tanzt der digitale Wahnsinn: Künstlich generierte Videos zeigen BIPoC als Affen, antisemitische Karikaturen im Comic-Look oder koloniale Klischees im Musikvideo-Format. Alles algorithmisch optimiert für maximale Reichweite – verpackt als vermeintlich witziges Meme, das dann im Sekundentakt geteilt wird. Derweil spricht die Plattform von Regeln. Doch was viral geht, zeigt: Der Hass hat längst ein neues Kostüm. Und ein neues Publikum – ganz junge Menschen.
Im Weißen Haus wird wissenschaftliche Integrität zur Groteske. Ein offizieller Bericht zitiert Studien, die nie existierten. Die Quelle? Eine KI, die Fakten halluziniert, inklusive Links ins Nichts. Die Verantwortlichen reagieren mit Schulterzucken. Der Schaden? Ein weiteres Stück Vertrauen, das sich auflöst wie ein Zuckerwürfel im heißen Tee.
In der Schweiz sorgt ein KI-Kinderbuch für Aufruhr. Geschrieben, illustriert und vermarktet von Algorithmen – beworben als Zukunft der Bildung. Doch Autor:innen und Verlage schlagen Alarm. Denn was hier gefeiert wird, ist nicht Innovation, sondern das schleichende Vergessen menschlicher Kreativität. Denn Kinder sollen nicht bloß Texte generieren, sondern Geschichten erleben. Mit Sprache ringen und mit Bedeutung spielen. Nicht mit Prompts.
Und während all das passiert, zeigen neue Studien: Unser Gehirn wird müde. Nicht durch Überlastung, sondern durch Gewöhnung. Wer ständig delegiert, verlernt, sich selbst zu befragen. KI als Krücke, nicht als Werkzeug – ein schleichender Prozess, der uns zwar eventuell effizienter, aber nicht klüger macht.
Vielleicht ist das die unbequeme Wahrheit dieses Moments: Wir verlieren nicht die Kontrolle über Maschinen. Wir verlieren die Kontrolle über uns selbst. Weil wir aufhören, kritisch zu denken.
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Wie gelingt wirklich guter KI-gestützter Content? Nicht durch noch mehr Tools oder noch längere Prompts, so viel ist sicher. Sondern durch durchdachte Arbeits- und Denkprozesse.
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Henrike Dörr textwelten – Lektorat und Redaktion
MEINUNG
Wenn KI zur digitalen Brandstifterin wird
Ein neues Zeitalter der Maschinenfantasie geht an den Start, in dem rassistische Stereotypen nicht mehr gemalt, sondern generiert werden. Mit einem Klick, gestochen scharf und millionenfach geteilt. Plattformen wie TikTok werden derzeit von einer Welle AI-generierter Videos überschwemmt, die tief in die Mottenkiste kolonialer Klischees greifen. Und dabei tun, als sei das alles ironisch gemeint. Von wegen.
AI-Tools wie Googles Veo 3 erlauben es heute jeder Trollfabrik, in Sekunden Videos zu produzieren, in denen schwarze Menschen als Affen dargestellt oder antisemitische Stereotype durch den Algorithmus gejagt werden. Was früher in den finsteren Ecken des Internets hockte, springt nun bunt und klickoptimiert mitten ins Zentrum der Aufmerksamkeit.
Willkommen in der Ära der viralen Menschenverachtung
Dabei schreiben sich TikTok und andere SoMe-Kanäle in den Community-Richtlinien groß auf die Fahnen, gegen Hassrede vorzugehen. Aber dieser Ekel-Content geht viral und bekommt Millionen Views. Die Löschpolitik ist ein Trauerspiel zwischen Ignoranz und PR-Kosmetik. Wenn Algorithmen Hass belohnen, reicht ein bisschen Moderation nicht. Wir brauchen Rückgrat und ja: unangenehme Entscheidungen. Aber Big Tech spielt lieber Zuschauer als Türsteher.
Besonders perfide: Die Videos sind häufig satirisch verkleidet – mit dramatischer Musik, Voice-over und angeblich „witzigen“ Szenarien. Das soll unterhalten? Nein, das ist digitalisierte Hetze im Hollywood-Look. Wenn Fiktion zum trojanischen Pferd für rassistische Botschaften wird, dann ist Schluss mit lustig.
Doch das eigentliche Problem sitzt tiefer. Die zugrunde liegende Technologie ist öffentlich zugänglich, ohne Schutzmechanismen, ohne Warnsystem. Das bedeutet: Jeder kann sie missbrauchen. Und weil es technisch so einfach ist, wirkt es harmlos. Aber das ist ein fataler Irrtum. Hier wird nicht nur Content generiert, hier wird Realität manipuliert.
TikTok ist längst kein Teenie-Zeitvertreib mehr, sondern ein kulturprägender Resonanzkörper. Und wenn dort millionenfach rassistische KI-Videos kursieren, dann ist das keine Nebensache, sondern ein gesellschaftlicher Brandherd.
Solange KI mehr Hass fördert als Empathie vermittelt, müssen wir befürchten, dass unsere Timeline bald ein digitaler Lynchmob mit Like-Button wird. Doch was können wir dagegen tun? Wir müssen diese Frage schnell beantworten. Sehr schnell.
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Zum Artikel: https://www.mediamatters.org/tiktok/racist-ai-generated-videos-are-newest-slop-garnering-millions-views-tiktok
NEWS
“Die informierte Gesellschaft und ihre Feinde“
Astrophysiker und Bestsellerautor Prof. Dr. Harald Lesch sprach am 25. Juni 2025 im Rahmen der 20. Tübinger Mediendozentur über eine besorgniserregende Verschiebung: Populismus, Social Media und KI untergraben zunehmend unsere gemeinsame Wissensgrundlage:
- Desinformation entkommt der Kontrolle. Dank KI werden Fake News und Deepfakes billiger, schneller und realistischer – gesteuert von Troll-Armeen und Social Bots.
- Zeit wird zum Feind. Nachrichten kommen hektisch, ohne Kontext. Wer nur noch in Hypes lebt, verzichtet auf Tiefgang.
- Kompromisse werden unmöglich. Politisierte Debatten zwischen Überzeugung und Totalzweifel erschweren Konsens‑ und Kompromissfindung.
Leschs Appell: Wir brauchen eine „neue Aufklärung“ – Rückzugsorte der Reflexion, medienpädagogische Ankerpunkte und dialogische Räume, in denen Fakten wieder gemeinsamer Bezugspunkt sind.
Zum Vortrag, der eigentlich ein dringend notwendiger Weckruf ist: https://www.youtube.com/live/F91As11qcFc?si=MAsIHEEKez4WZVHz
KI-Kinderbuch entfacht Proteststurm in der Schweiz
Was als hippe Swisscom-Kampagne begann, endet in einem offenen Protestbrief: Ein mit KI-Unterstützung entstandenes Kinderbuch samt Anleitung für junge Leser:innen, selbst mit Maschinen zu schreiben, bringt die Schweizer Literaturszene auf die Barrikaden. Autor:innen, Illustrator:innen und Verlage warnen vor der Banalisierung kreativer Prozesse und der schleichenden Verdrängung menschlicher Erzähler:innen durch synthetische Texte und Bilder. Die zentrale Kritik: Kinder sollen nicht lernen, KI zu bedienen. Sondern zu denken, zu fühlen und selbst zu erzählen.
https://www.boersenblatt.net/news/literaturszene/protest-gegen-ki-kinderbuch-380355
PEN Deutschland warnt vor KI-Entmündigung: Kreative in Gefahr
Alarm! Auf der Jahrestagung in Darmstadt forderte der Schriftstellerverband scharfe Regeln zum Schutz geistigen Eigentums in der KI-Ära. Ganz oben auf der Agenda: Transparenzpflicht für Tech‑Konzerne, die urheberrechtlich geschützte Werke ohne Einwilligung nutzen – eine digitale Enteignung kreativer Leistungen. Zudem warnt PEN vor Einschränkung geistiger Freiheit durch KI-Filter, die Inhalte nach Entwicklerinteressen verzerren. Ein dringender Appell an Politik und Öffentlichkeit: Wer schützt die Schöpfer:innen in Zeiten der Automatisierung?
https://www.boersenblatt.net/news/pen-kritisiert-ki-nutzung-scharf-378965
Wissen schrumpft, während Tools wachsen
Was passiert, wenn unser Gehirn zum Backup-Server wird? Neue neurowissenschaftliche Studien zeigen: Je mehr wir Denken an Tools delegieren, desto weniger denken wir selbst. Der Rückgang der IQ-Werte in Industrieländern ist kein Zufall, sondern Folge eines Bildungssystems, das Basiswissen entwertet – und einer Kultur, die lieber googelt als begreift. Ein Weckruf für alle, die KI nicht als Krücke, sondern als Ergänzung begreifen wollen.
https://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=5250447
KI zitiert aus dem Paralleluniversum – und keiner war’s
Im jüngst veröffentlichten MAHA-Gesundheitsbericht der Trump-Regierung (Make America healthy again!) tauchten gleich mehrere Studien auf, die es – Überraschung! – gar nicht gibt. Einige wurden offenbar direkt von einer KI halluziniert, erkennbar an kryptischen „oaicite“-Links, die typisch für automatisch erzeugte Fake-Quellen von OpenAI sind. Das Weiße Haus nennt das Ganze charmant „Formatierungsfehler“, während Wissenschaftler:innen fassungslos sind. Wer so mit Quellen umgeht, bekäme im Studium bestenfalls eine 6. Besonders ironisch: Die Enthüllung platzt just in dem Moment, in dem Trump neue „Goldstandards“ für wissenschaftliche Integrität verkündet. Die KI hat geliefert. Nur leider keine Wissenschaft, sondern ein Stück politisches Theater mit Fußnoten aus dem Nirwana.
